Graz, 21.01.2026 – Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Doch jenseits von Hypes und inflationären Buzzwords stellt sich die entscheidende Frage: Dient diese Technologie nur der Effizienzsteigerung oder kann sie auch ein echter Hebel für ökologischen Wandel und gesellschaftlichen Zusammenhalt sein?
Genau dieser Frage widmete sich die zweite Ausgabe des Formats „AI for Good“ im Unicorn Start-up & Innovation Hub. Organisiert vom Social Business Hub Styria und demIDea_Lab der Universität Graz, bot die Veranstaltung eine Plattform für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis.
Wolfgang Weingraber (byeagain), Kirsten Tangemann (Vorstand Social Business Hub), Andreas Opelt (CEO, Saubermacher Dienstleistungs AG), Juliane Jarke (Universität Graz, Digitale Gesellschaft), Rüdiger Wetzl (Vorstand Social Business Hub), Katharina Feiertag (Leitung Methods Lab), Michael Freidl (Leitung Data Lab) Foto: IDea_Lab)
Das Ziel der Veranstalter (Katharina Feiertag und Manfred Hall vom IDea_Lab sowie Kirsten Tangemann und Rüdiger Wetzl vom Social Business Hub Styria) war klar definiert: Weg von der rein technischen Diskussion, hin zu nachhaltigen, zukunftsfähigen Anwendungsbeispielen.
Aus der Praxis: KI in der Kreislaufwirtschaft
Dass KI bereits heute ökologische Probleme lösen kann, beweisen innovative Unternehmen aus der Steiermark. Zwei konkrete Use-Cases zeigten eindrucksvoll, wie Algorithmen helfen, Ressourcen zu schonen:
Revolution in der Textil-Sortierung:Andreas Opelt, CEO der Saubermacher Dienstleistungs AG, präsentierte das Projekt „ReUseTEx“. Gemeinsam mit Forschungspartnern arbeitet das Unternehmen an einem KI-gestützten Sortiersystem für Alttextilien. Das Ziel: Wertvolle Rohstoffe sollen durch präzise Erkennung und Sortierung länger im Kreislauf gehalten werden, statt im Müll zu landen.
Warenrettung durch „Refurbishment-as-a-Service“:Wolfgang Weingraber, CEO von byeagain, zeigte, wie man der Warenvernichtung den Kampf ansagt. Seine Lösung ermöglicht es Händlern und Eltern, gebrauchte Kinderartikel zu reinigen, zu bewerten und wieder in den Verkauf zu bringen. Im Hintergrund arbeitet eine KI daran, diese Prozesse so effizient zu gestalten, dass auch Nischenprodukte gerettet werden können, die sonst unwirtschaftlich wären.
Der wissenschaftliche Blick: Inklusion vor Effizienz
Technologie darf jedoch kein Selbstzweck sein. Univ.-Prof. Juliane Jarke (Universität Graz, Digitale Gesellschaft) lieferte die notwendige wissenschaftliche Einordnung. Ihr Fokus lag nicht auf der Machbarkeit, sondern auf der Gerechtigkeit. Sie beleuchtete das Thema unter der Fragestellung: „Wie können wir unsere digitale Zukunft inklusiver und sozial gerecht gestalten?“ .
Panel-Talk: Die schwierigen Fragen nicht ausgeklammert
Den Höhepunkt des Abends bildete die Podiumsdiskussion, an der neben den Speakern auch Michael Freidl (Leitung Data Lab, Universität Graz) teilnahm. Hier wurde nicht nur gelobt, sondern kritisch hinterfragt. Die Runde diskutierte offen über die Balance zwischen Fortschritt und Verantwortung:
Kontrollverlust: Wie viel Entscheidungsgewalt dürfen wir an ein „Blackbox“-System abgeben – besonders wenn es um reale Stoffströme geht?
Der ökologische Fußabdruck der KI: Ab wann frisst der enorme Energiehunger der Rechenzentren die Ressourceneinsparungen, die durch die KI in der Kreislaufwirtschaft erzielt werden, wieder auf?
Ethik vs. Mathematik: Wer definiert eigentlich, was ein „gutes“ Ergebnis ist? Zählt die mathematische Effizienz oder die menschliche Fairness?
Fazit
Der Abend im Unicorn – Startup & Innovation Hub hat verdeutlicht, dass Nachhaltigkeit oft mit Innovation beginnt, aber nicht dort endet. Technologie entfaltet ihre stärkste positive Wirkung dann, wenn sie interdisziplinär gedacht wird und den Menschen sowie die Umwelt in den Mittelpunkt stellt.
Ein herzliches Dankeschön an alle Speaker und Gäste für den offenen Austausch und die spannenden Einblicke in eine Zukunft, in der KI „for Good“ eingesetzt wird.
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