Social Business Hub Styria – a strong team!
In order to provide the best possible support for the Styrian social business sector, we leave nothing to chance. That is why we rely on…
Mehr lesenBeitrag von Sofia Vidal Weisch
In Brasilien leben etwa 11 Millionen Personen in renovierungsbedürftigen Häusern. Mangelnde Infrastruktur, keine adäquaten Überdachungen oder fehlende Toiletten stellen wesentliche Herausforderungen für die brasilianischen Metropolen dar. Welche Initiativen haben sich in der Praxis bewährt, um diesem Problem entgegenzuwirken?
In den vergangen Jahren hat sich weltweit die Denkweise des Social Entrepreneurship (soziales Unternehmertum) ausgebreitet. Gewinn generieren und gleichzeitig die Lebensqualität der Gesamtbevölkerung zu verbessern findet sich in den meisten Unternehmensvisionen wieder. Speziell in Ländern mit reduzierter staatlicher Unterstützung hat die Gründung sogenannter Social Entrepreneurship Organisationen (SEOs) stark zugenommen.
SEOs führen zu einem „Verschwimmen“ der traditionellen Wirtschaftssektoren: Staat, Markt und Dritter Sektor, sowie zu einer Differenzierung und Wettbewerbssteigerung im Markt. Immer mehr For-Profit Organisationen versuchen, ihr Image durch Investitonen und Kooperationen mit sozialen Institutionen zu stärken. Oftmals stehen InvestorInnen vor der Entscheidung, sich entweder bei gemeinnützigen Organisationen (NPO) oder in Social Entrepreneurship Organisationen (SEO) finanziell einzubringen.
Im Zuge meiner Bachelorarbeit analysierte ich anhand eines konkreten Fallbeispiels die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale beider Organisationstypen. Dabei handelte es sich um die NPO „Habitat“ und die SEO „Programa Vivenda“, die Haussanierungsprojekte in den Favelas der Stadt São Paulo durchführen.
Trotz gleicher Unternehmensmission und ähnlicher Dienstleistung ist die Ausrichtung der Finanzierungsstruktur und die damit verbunden Herausforderungen extrem unterschiedlich.
Die NPO „Habitat“ legt ihren Fokus auf Spendenfinanzierung und befindet sich somit in starker Abhängigkeit von Dritten. Diese Art von Finanzierung ist mit hohen Risiken verbunden. Eine Reduktion bzw. ein Ausfall von Spenden kann zu finanziellen Engpässen führen und den Handlungsspielraum, sowie die Erreichung der Mission stark beeinflussen.
Die SEO „Programa Vivenda“ hingegen richtet die Finanzierung auf ein selbst entwickeltes Finanzierungsmodell aus, welches auf einem „Blended Finance“ Konzept beruht. Aufgrund innovativer und nachhaltiger Ansätze ist das Interesse der InvestorInnen im brasilanischen Spendenmarkt stark angestiegen. Es kommt sogar zu einem Überschuss an Unternehmen und Firmen, die in SEO investieren wollten. Die zentrale Herausforderung für die SEO war nicht mehr die Finanzmittelbeschaffung, sondern vielmehr die richtige Strukturierung und Anpassung des Fianzierungsmodells im Markt, um weiter wachsen zu können.
Der Social Entrepreneurship Trend bringt neue Denkansätze und Vorgehensweisen in den Dritten Sektor Brasiliens. Die NPO „Habitat“ realisiert, dass eine Neuausrichtung der Dienstleistungen notwendig ist, um weiterhin am Markt agieren zu können.
Im direkten Vergleich beider Organisationen zeigt sich, dass die SEO „Programa Vivenda“ mit der schnellen und innovativen Durchführung von Projekten ein größeres Projektvolumen realisieren konnte.
Renovierungen/ Anzahl der Personen, denen geholfen wurde | durchschnittliche Projektlaufzeit pro Renovierung | |
NPO „Habitat“ | Seit 2013: 600 Renovierungen / 1070 Personen | 100 Tage |
SEO | Seit 2015: 1000 Renovierungen/3.800 Personen | 15 Tage |
Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass sich die bereits bestehenden Methoden und Konzepte der gemeinnützigen Organisation, durch längjährige Erfahrung bewährt haben und in die Denkansätze der SEOs aufgenommen wurden.
Durch die Entwicklung gemeinsamer Projekte und eine Zusammenarbeit von „Habitat“ und „Programa Vivenda“ soll die Schlagkraft im Dritten Sektor verstärkt und der Sanierungsprozess beschleunigt werden. Auf diese Weise kann einem größeren Bevölkerungsanteil in den Favelas von São Paulo Zugang zu qualitativ verbessertem Wohnraum ermöglicht und damit ein gesellschaftlicher Mehrwert generiert werden.
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