Wie Social Businesses gesellschaftliche Wirkung erzielen

22.04.2021 Blog

Beitrag von Kirsten Tangemann

Personen, die ein Social Business gründen oder betreiben setzen sich für eine Mission ein. Ihr Hauptziel ist es, eine positive gesellschaftliche oder auch ökologische Wirkung zu erzielen. Sie arbeiten an neuen Lösungsansätzen für gesellschaftliche oder ökologische Problemstellungen, entwickeln soziale Innovationen und bringen diese in Form Dienstleistungen oder Produkten auf den Markt. Inwieweit das bearbeitete Problemfeld als solches von der Gesellschaft anerkannt wird und diesem eine Bedeutung zugemessen wird, bestimmt in hohem Maße wie die Wirkung wahrgenommen wird. Die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen gelten als Ziele von großer Bedeutung, und die Mission und die Aktivitäten der in diesem Report dargestellten Social Enterprises lassen sich diesen Zielen zuordnen.

Ein Social Business ist eine hybride Organisation, die einerseits ihre Mission in Gestalt eines sozialen oder ökologischen Ziels verfolgt, andererseits auch Gewinne erwirtschaftet und langfristig nachhaltig arbeiten muss. Diese Ziele zu vereinbaren stellt eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe dar. Häufig bedarf die Generierung eines gesellschaftlichen Werts zusätzlicher Anstrengungen, um der Mission gerecht zu werden. Beides ist wichtig: Nicht-gewinnbringende Aufgaben oder Zielgruppen, die sich nicht in ein Geschäftsmodell integrieren lassen, müssen ebenso im Fokus bleiben wie die existenzsichernden, kommerziellen Aktivitäten. Häufig sehen sich SozialunternehmerInnen daher mit komplexen Managementaufgaben, Organisationsformen sowie hybriden Finanzierungsstrukturen konfrontiert.  

Social Businesses verbinden ihre gesellschaftliche (soziale und ökologische) Wirkung in unterschiedlicher Weise mit einem wirtschaftlichen Geschäftsmodell (siehe Vandor et al, 2015 [1]). So gibt es Modelle, bei denen die Wirkung direkt in die kommerziellen Aktivitäten integriert wird, indem die Zielgruppen entweder Mitarbeiter*innen des Unternehmens sind oder aber Leistungsempfänger bzw. Kund*innen des Unternehmens. Komplexer ist die Situation in einem differenzierten Social Business, bei dem sich die Kunden und die Begünstigten unterscheiden. „Sustainable“ Businesses erzielen ihre Wirkung durch ökologisch-nachhaltige Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen. Vielfach basieren funktionierende Sozialunternehmen nicht nur auf einem dieser genannten Modelle sondern setzen in der Praxis Mischformen um, sei es durch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder oder durch die Erschließung weiterer Zielgruppen. 

1. Integriertes Social Business – MitarbeiterInnen des Unternehmens als Zielgruppe

Das Social Business hat eine bestimmte benachteiligte Bevölkerungsgruppe als Zielgruppe und will diese Gruppe durch Beschäftigung (wieder) in das gesellschaftliche Leben integrieren und damit ihre Lebensbedingungen verbessern (vgl. Vandor et al. 2015). Im Unterschied zu Non-Profit-Organisationen und sozialökonomischen Betrieben, die Arbeitsplätze für arbeitsmarktferne und langzeitbeschäftigungslose Menschen zur Verfügung stellen, streben SozialunternehmerInnen auch Markteinkünfte bzw. die Erzielung von Gewinnen an (die im Sinne der Mission reinvestiert werden).

Abbildung 1: Integriertes Social Business – MitarbeiterInnen als Zielgruppe (vgl. Vandor et al. 2015)
  • Atempo beschäftigt Menschen mit Lernschwierigkeiten, die beurteilen, wie gut digitale Produkte und Dienstleistungen für beeinträchtigte Menschen und deren Bedürfnisse tatsächlich konzipiert sind.
  • Heidenspass betreibt eine Upcycling-Design-Werkstatt als soziales Arbeitsprojekt für arbeitsmarktferne Jugendliche. Gleichzeitig schafft Heidenspass Bewusstsein für Ressourcen und deren (Wieder-) Verwendung über Workshops in Schulen und Betrieben.
  • Im Fall der Klarwasser OG unterstützt ein digitales Betriebssystem die Mitglieder von Wassergenossenschaften.

2. Integriertes Social Business – die KundInnen als Zielgruppe

In diesem Wirkungsmodell sind die Leistungsempfänger bzw. Kundinnen Teil des kommerziellen Modells und direkt in das Geschäftsmodell eingebunden. Die angebotenen Produkte entfalten bei den Kundinnen, beispielsweise bei einer (benachteiligten) Bevölkerungsgruppe oder der Bevölkerung in einem Entwicklungsland, ihre Wirkung

Abbildung 2: Integriertes Social Business – KundInnen als Zielgruppe (vgl. Vandor et al. 2015)
  • Das Hausverwaltungs- und Consultingunternehmen Dahir verbindet Immobilienverwaltung mit aktivem, persönlichem Beziehungsmanagement. Das sozioökonomische Immobilienmanagement verfolgt das Ziel, die Bedürfnisse von Mieter*innen, Eigentümer*innen und Stakeholdern zum Nutzen aller Beteiligten zu vereinbaren.
  • Instahelp bietet über die „digitale Plattform für mentale Gesundheit“ individuelle, zeitlich flexible und kurzfristig abrufbare Online-Beratung durch erfahrene Psycholog*innen an.
  • Ziel von Dignisense ist es, mit innovativen Pflegelösungen Altern in Würde zu ermöglichen. Eine innovative technologische Lösung unterstützt Pflegepersonal durch die Erkennung von Inkontinenz-Episoden und Bewegungsüberwachung dabei, den Bedürfnissen von Pflegebedürftigen gerecht zu werden.
  • Das Stadtlabor ist ein Innovationslabor für lebenswerte und nachhaltige Städte und Gemeinden. Über Partnerschaften zwischen urbanen Akteuren und das kooperative Schaffen von Räumen für Kreativität, Inspiration und gemeinsames Lernen werden urbane Transformationsprozesse eingeleitet und Stadtteile, Quartiere und Standorte weiterentwickelt.
  • In der Meisterschneiderei Unperfekt wird für Menschen mit körperlichen Einschränkungen Mode maßgeschneidert.
  • Schau aufs Land inspiriert Reisende mit einem digitalen Camping-Guide, neue Orte in Österreich zu entdecken und dabei nachhaltige Bauernhöfe, Weingüter und Manufakturen kennenzulernen.
  • Vom Land stellt Bauern eine App zur Verfügung, mit der sie ihre regionalen Produkte online vermarkten können.
  • Factinsect überprüft mittels eines automatisierten „Fakten-Checker“-Systems Internetquellen und unterstützt NutzerInnen bei der Einschätzung wie vertrauenswürdig Informationen im Internet sind.

3. Differenziertes Social Business

Wenn sich Kunden und die Zielgruppe unterscheiden, weil die Zielgruppe beispielsweise zu arm ist, um für die Leistung zu bezahlen, so können Social Businesses sich mit einer Querfinanzierung behelfen. Dabei ist der Erfolg der kommerziellen Aktivität für eine nachhaltige Wirkung entscheidend, so dass Mittel von der kommerziellen auf die soziale Tätigkeit übertragen werden können. Eine besondere Herausforderung besteht dabei in der Ausbalancierung der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten, für die der Kontakt zu den Begünstigten und ihrer sich im Laufe der Zeit entwickelnden Bedürfnisse essentiell ist.

Abbildung 3: Differenziertes Social Business (vgl. Vandor et al. 2015)
  • Die Plattform Sindbad verbindet Unternehmen mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen. Mit Mentoringprogrammen und Persönlichkeitstraining werden mit Schulabgänger*innen neue Perspektiven entwickelt und Lehrlinge für Unternehmen rekrutiert.
  • Migrabilis unterstützt Menschen mit Flucht- bzw. Migrationsbiografien mit Angebotenzu wirtschaftlicher Basisbildung, Selbstkompetenz und Mentaltraining bei der Entfaltung ihrer Potenziale.

4. Sustainable Business (ökologisch-nachhaltiges Unternehmen)

Viele Social Enterprises richten sich nicht an eine konkrete Zielgruppe, sondern verfolgen ökologische Nachhaltigkeitsziele. Rund drei Viertel der steirischen Social Businesses fallen in diesen Bereich. Die positive Wirkung auf die Umwelt wird durch nachhaltige, ressourcenschonende Produktion, den Einsatz ökologischer, biologischer und umweltfreundlicher Materialien sowie durch nachhaltige Energiegewinnung und Mobilitätskonzepte erzielt. Ziel ist es, das Bewusstsein von Verbrauchern zu schärfen und deren Verhalten zu verändern.

Abbildung 4: Sustainable Business (vgl. Vandor et al. 2015)
  • Compuritas schafft als professioneller IT-Refurbisher speziell für den Bildungsbereich ökologischen und sozialen Mehrwert durch kostengünstigen Zugang zu qualitativ hochwertiger IT-Infrastruktur.
  • Tres Hombres transportiert emissionsfrei per Segelschiff fair gehandelte Produkte aus der Karibik nach Europa, die zu Rum und Schokolade weiterverarbeitet werden.
  • das Gramm und das Dekagramm bieten als Bio-Greisslerei verpackungsfreie, regional und nachhaltig produzierte Lebensmittel sowie Hygiene- und Haushaltsartikel an. Bei Kund*innen soll Bewusstsein für die Vermeidung von Verpackungsmüll geschaffen werden.

[1]Vandor, P., Millner, R., Moder, C., Schneider, H., Meyer, M. (2015): Das Potential von Social Business in Österreich. Wien: Wirtschaftsuniversität Wien, NPO & SE Kompetenzzentrum.

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